Bundesländerindex Familienunternehmen

Standortfaktoren innerhalb Deutschlands im Vergleich - 2. Auflage
Herausgeber
Stiftung Familienunternehmen
Veröffentlichung
München, 2026
Institut
ZEW Mannheim
Autoren
Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Paul Steger
Isbn
ISBN: 978-3-948850-76-0

Der Bundesländerindex Familienunternehmen vergleicht die Standortqualitäten der deutschen Bundesländer aus der Perspektive von Familienunternehmen. Er blickt in das Innere des deutschen Föderalismus und will damit zur höheren Leistungstransparenz für die Bundesländer beitragen.

Wie berechnen die Forscher den Index?

Das Gesamtranking beruht auf fünf Subindizes: „Steuern“, „Arbeit und Humankapital“, „Finanzierung“, „Infrastruktur“ und „Institutionen“.

Der Subindex „Steuern“ berücksichtigt zum Beispiel die Gewerbesteuerhebesätze, die Besteuerung von Immobilien durch Grund- und Grunderwerbsteuer sowie die Qualität der Finanzverwaltung.

Der Subindex „Infrastruktur“ betrachtet die Teilindikatoren Transportinfrastruktur, Informations- und Kommunikationstechnik, Elektrizitätsversorgung und die wirtschaftsnahe Forschungsinfrastruktur. So ähnlich ist das Vorgehen bei jedem der Indizes, die zum Schluss gewichtet und aggregiert werden.

Die Abbildung gibt die jeweiligen Punktwerte der Bundesländer für die fünf Subindizes
„Steuern“, „Arbeit und Humankapital“, „Finanzierung“, „Infrastruktur“ sowie „Institutionen“
und den Gesamtwert für den Bundesländerindex als Stärken-/Schwächen-Matrix
wieder. Die Bundesländer sind dabei separat für die Flächenländer und die
Stadtstaaten und gemäß ihrer jeweiligen Platzierung im Gesamtranking
2025 in absteigender Reihenfolge angeordnet. Dadurch liegt etwa Sachsen auf Platz 1
und Rheinland-Pfalz auf Platz 13 der Flächenländer, während Berlin beziehungsweise
Bremen als bester, respektive schlechtester Stadtstaat gelistet ist.

Wie schneiden die Länder ab?

An der Spitze des Flächenländer-Rankings stehen mit einem deutlichen Punktevorsprung die beiden Bundesländer Sachsen und Bayern. Dahinter folgt die Fünfergruppe Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Brandenburg und Hessen. Das untere Mittelfeld bilden Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Auf den hinteren Plätzen liegen das Saarland, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Im Vergleich der Stadtstaaten stehen Berlin und Hamburg mit ähnlichen Punktwerten an erster und zweiter Stelle. Bremen weist hingegen deutlich weniger attraktive Rahmenbedingungen für Unternehmen auf.

Wie verschafft man sich einen Überblick zu Stärken und Schwächen?

Die Studie bietet eine farbige Übersicht. Die Farbskala repräsentiert von dunkelrot über orange und gelb bis hin zu hell- und dunkelgrün eine zunehmend bessere relative Bewertung des jeweiligen Bundeslandes innerhalb des jeweiligen Subindex.

Während Sachsen bei der Finanzierung und beim Subindex „Arbeit & Humankapital“ sehr gute Ergebnisse erzielt und auch bei der Infrastruktur punkten kann, schneidet es bei Steuern und Institutionen eher durchschnittlich ab. Das zweitplatzierte Bayern überzeugt in fast allen Subindikatoren, kann jedoch bei der Infrastruktur nur ein eher durchschnittliches Ergebnis erzielen. Auch die Bundesländer in der Schlussgruppe verfügen mit vergleichsweise attraktiven steuerlichen Bedingungen über spezifische Stärken, mit denen sie Unternehmen für andere Standortnachteile ein Stück weit entschädigen können.

Die Abbildung zeigt Berechnungen zu klassischen Investitionsquoten sowie zu Zukunftsquoten. Die klassische Investitionsquote beschreibt den Anteil der investiven Ausgaben an den Gesamtausgaben der Länder. Ein hoher Wert stellt also
eine starke investive Ausrichtung der Länderhaushalte dar und eine geringere Fixierung
auf laufende Ausgaben wie beispielsweise Personalausgaben. Die höchste klassische Investitionsquote unter den Flächenländern weist Sachsen-Anhalt auf, gefolgt von Sachsen, Thüringen und Bayern. Baden-Württemberg weist lediglich eine durchschnittliche Investitionsquote auf.

Für beide Varianten der Zukunftsquote schneidet Bayern jeweils mit einigem Abstand am
besten ab. Nach der Zukunftsquote 2 wendet Bayern rund jeden zweiten Euro seines Länderhaushalts für zukunftsträchtige Aufgaben aus. Dies ist getrieben durch den höchsten Anteil der Ausgaben für Bildung, Wissenschaft, Forschung und kulturelle Angelegenheiten von allen Ländern (36,01 Prozent). Gefolgt wird Bayern von einer vergleichsweise ähnlich starken Verfolgergruppe aus Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, die Werte zwischen 42 und 45 Prozent erzielen.

Wie wird die Zukunftsorientierung der Länderhaushalte gemessen?

Dabei macht sich die Analyse die Konzeption der „ZEW-Zukunftsquote“ zunutze. Diese basiert auf der Erkenntnis, dass sich die Zukunftsorientierung eines Haushalts nicht nur an den Sachinvestitionen, sondern auch am Engagement für andere Zukunftsaufgaben wie Bildung, Forschung und Klimaschutz misst. In dieser Sonderanalyse werden daher neben der klassischen Investitionsquote auch zwei weiter gefasste Zukunftsquoten berechnet. Die Ergebnisse belegen größere Unterschiede in der Zukunftsorientierung der Länder. Bemerkenswert ist das starke Abschneiden einiger ostdeutscher Länder, allen voran Sachsen-Anhalt aber auch Thüringen und Sachsen.

Warum ist der Index wichtig für die Politik?

Gerade jetzt kann das Stärken-Schwächen-Profil des Bundesländerindex den Landtagen und Landesregierungen eine wichtige Orientierung liefern, wo sich den Ländern aufgrund der Einrichtung des Sondervermögens „Infrastruktur und Klimaneutralität” neue Finanzierungsmöglichkeiten bieten. Die Länder tragen hier eine große Verantwortung, da die Errichtungsgesetze zum Sondervermögen ihnen bei der Nutzung der zusätzlichen Bundesmittel weitgehend freie Hand geben. Insofern liegt es nun ganz in der Autonomie der Länder, die Mittel des Sondervermögens wirklich zur Verbesserung ihrer Standorte zu nutzen, statt sie zur Gegenfinanzierung stark steigender Sozialausgaben und damit ohne Zukunftswirkung zu verwenden.

Die Grafik zeigt die Veränderung der Punktwerte ausgehend vom Bundesländerindex Familienunternehmen im Jahr 2022 bis zur Erneuerung der Punktwerte in 2025. Niedersachsen hat deutlich an Punktwerten hinzugewonnen, Baden-Württemberg hat deutlich an Punktwerten verloren.
Die Grafik zeigt die Veränderung der Punktwerte ausgehend vom Bundesländerindex im Jahr 2022 bis zur Erneuerung der Punktwerte in 2025. Niedersachsen hat deutlich an Punktwerten hinzugewonnen, Baden-Württemberg hat deutlich an Punktwerten verloren.
Die Abbildung zeigt die Punktwerte der einzelnen Bundesländer beim Subindex "Infrastruktur". Die Werte werden sowohl für das Jahr 2025 als auch für das Jahr 2022 wiedergegeben. Bei den Flächenländern führen im Jahr 2025 Niedersachsen und Sachsen das Ranking im Subindex „Infrastruktur“ punktgleich und mit etwas Abstand zu Nordrhein-Westfalen an.
Datum
29.1.2026, München

Weitere Materialien

Publikationen zum Thema

Neuigkeiten zu verwandten Themen

    • Kein Ostnachteil mehr bei deutschen Standorten

      Forschungsergebnisse 04.08.22
      • Länderindex
      • Standort
      • Region
      • Gleichwertigkeit
    • Sachsen und Bayern sind die Starken beim Standort

      Bundesländerindex: Mittel des Sondervermögens für die Zukunft nutzen

      Forschungsergebnisse 29.01.26
      • Standort
      • Region
      • Investition
    • Bundesländerindex

      Bundesländerindex Familienunternehmen mit Länderportrait und Länderranking

      Infografiken 28.01.26
      • Region
      • Standort
      • Investition
      Das Bild zeigt die Deutschlandkarte. Sachsen ist farblich hervorgehoben, denn dieses Bundesland ist laut Bundesländerindex Familienunternehmen für Unternehmen das attraktivste Bundesland.
    • Wie niedrigere Steuern zu höheren Investitionen führen

      Studie Standortfaktor Körperschaftsteuer im Handelsblatt

      Die Regierung schreckt vor einer Unternehmensteuerreform bislang zurück, auch wegen der Einnahmeausfälle. Dabei könnte eine Steuersenkung starke positive Effekte haben, etwa für die Investitionskraft der Unternehmen.

      Zu diesem Urteil kommt die Studie „Standortfaktor Körperschaftsteuer“ die dem Handelsblatt vorliegt.

      In der Presse 02.02.24
      • Steuer
      • Investition
      • Standort
      • Arbeitsplätze
    • Steuerwettbewerb schwächt sich ab, aber die Bürokratie nimmt zu

      Ausländische Steuerstandorte weiter im Vorteil – auch für Arbeitnehmer

      Forschungsergebnisse 21.03.23
      • International
      • Standort
      • Steuer
      • Investition
    • Standort Deutschland – akut versetzungsgefährdet

      Was die Investitionen bremst und wohin sie fließen

      Forschungsergebnisse 05.10.23
      • Standort
      • Regulierung
      • International
      • Fachkräfte
    • Investitionen anregen für die Transformation der Wirtschaft

      Körperschaftsteuer als unkompliziertes Instrument und starkes Signal

      Zusätzliche Investitionen von 57 Milliarden Euro würden bis 2033 entstehen, wenn die Körperschaftsteuer in Deutschland in fünf Schritten um insgesamt fünf Prozentpunkte gesenkt würde. Eine Simulation durch das IW Köln identifiziert auch Gewinne für die Arbeitnehmer.

      Forschungsergebnisse 02.02.24
      • Investition
      • Steuer
      • Standort
      • Arbeitsplätze
    • 55 %

      der Familienunternehmen nutzen KI oder planen das

      Forschungsergebnisse 05.10.23
      • FamData
      • Umfrage
      • International
      • Investition
    • 24.11.23
      @stiftung_familienunternehmen
    • Interaktive Grafik Decoupling

      Infografiken 04.05.23
      • International
      • Region
      • Weltmarkt
      • Standort

Unsere Webseite benutzt eine Anzahl von Cookies um die Nutzererfahrung für Sie zu verbessern. Lesen Sie hier mehr über diese Cookies.
Wenn Sie ablehnen, werden Ihre Informationen beim Besuch dieser Website nicht erfasst. Ein einzelnes Cookie wird in
Ihrem Browser verwendet, um daran zu erinnern, dass Sie nicht nachverfolgt werden möchten.